Sonntag, 1. Oktober 2006

Ein Bild (vom Bild) vom Papst

Kaum aus dem Urlaub zurück machte ich mich sogleich auf den Weg nach Regensburg, obwohl ich von meinem Urlaub zweifelsohne einen Zweit-Urlaub nötig gehabt hätte. Das mein Regensburgsaufenthalt während des Papstbesuches aber kein "Zuckerschlecken" werden würde war selbstverständlich. Abgesehen davon, dass Regensburg immer eine Reise wert ist, war natürlich auch die "Botschaft des Papstes in und an seiner Heimat" mein Hauptinteresse. Im nachhinein darf aber in Frage gestellt werden, ob dies wirklich das Hauptinteresse aller Anwesenden war, denn dieses schien eher darin zuliegen, ein Bild vom Papst zu bekommen. In dieser Situation, in der man vom größten Spektakel der deutschen Mediengeschichte umzingelt war, wurde mir bewusst, wie ausnehmend wichtig es ist, einem solches Ereignis in der richtigen geistigen Verfassung zu begegnen - nämlich im Gebet. Die Gefahr in einen "Starrummel" zu geraten schien mir groß. Wie ein Strudel zog der Papst Massen an, die ihm seine Handykameras und DigiCams entgegenstreckten. Blitzschnell verstrich der (h)eilige Augenblick und wieder sah man nur ein Bild vom Papst, weil man doch die ganze Zeit auf sein Display starren musste, um den Papst auch ja im Bild zu haben. Es scheint, als sei nur echt, was man als Bild festgehalten hat - nur das Bild der Realität ist die Realität. Wie das Bild aussieht und welche Wirkung es hat entscheidet derjenige, der das Bild macht (wie wir gerade nach "Regensburg" feststellen durften). Ich habe es schließlich als äußerst bereichend erlebt sich gerade dann zum Gebet vor dem Allerheiligsten zurückzuziehen, wenn der Papst doch in Griffweite vorbeifuhr. Abstand gewinnen, klaren Kopf behalten. Nicht um jeden Preis muss ich dem Papst die Hand schütteln, eine gesunde Distanz zu diesem Menschen und zur Euphorie um ihn, hätte sicher jedem besser getan, auch dem Heiligen Vater selbst. So aber wurde er auf Schritt und Tritt, ja belästigt muss man fast sagen und alles schien für das Fernsehen von sensationslüsternen Interesse zu sein. "Die Stunden der Besinnung sind auf dem Bildschirm rar. Stattdessen wird meist besinnungslos zerredet, was sich von selbst erklärt. 'Jetzt schüttelt der Papst Hände', meinte Peter Mezger im BR immer wieder sagen zu müssen.", berichtet die SZ treffend.

Diese war es im übrigen auch, die am Tag nach der, inzwischen berühmtgewordenen "Regensburger-Rede" den entsprechenden "Kaiser-Passus" nicht als besonders skandalträchtig erwähnenswert fand, sondern einen sehr viel intelligenteren Artikel veröffentlichte. Er stellt fest, dass das Gesagte "eine der besten und klarsten Zusammenfassungen dessen sein [dürfte], was der Gelehrte Joseph Ratzinger zum Verhältnis von Glaube und Vernunft gesagt hat - ein Thema, da ihn schon als Professor beschäftigte." Die zentrale Botschaft ist: "Gott ist Vernunft"! Und folglich geht es nicht ohne ihn, denn was setzten wir an den Anfang, "die schöpferische Vernunft oder das Unvernünftige, das vernunftlos sonderbarerweise einen geordneten Kosmos hervorbringt." Ähnliches konnte man von Joseph Ratzinger schon im Jahr 2000 hören, das er nun wiederholt und weiter ausgeführt hat, nämlich "dass die Welt in einem sehr komplizierten Evolutionsprozess entstanden ist, dass sie aber im tiefsten eben doch aus dem Logos entstanden ist. Sie trägt insofern Vernunft in sich." Dieser Logos ist, gemäß dem Beginn des Johannes-Evangeliums, Gott: "Am Anfang was das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort." Genau diese Essenz nahm Benedikt XVI. in seiner Regensburger Vorlesung auf und erläuterte bzw. konkretisierte sie, indem er betonte: "Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider.", eben weil Gott Vernunft ist. Folglich kann "der christliche Glaube erkannt werden, und die Erkenntnis wiederum hat eine Wurzel im Glauben." Daher seien Glaube und Vernunft niemals getrennt zu betrachten, eine Vernunft ohne Glauben wäre eine "Selbstbeschränkung der Vernunft". Wenn eine solche Selbstbeschränkung sich durchsetzte, wie es den Anschein hat, insbesondere auch in der Theologie, die sich zunehmend als reine Wissenschaft begreife, dann "bleibe vom Christentum nur ein armseliges Fragmentstück übrig [...] das die eigentlich menschlichen Fragen [...] ins Subjektive verlegt."

Hier greift der Papst das Motiv der "Diktatur des Relativismus" aus der Predigt vor seiner Wahl wieder auf. Wird die Religion ins Subjektive, ins beliebig kombinierbare abgeschoben untergräbt sie nicht nur das Gemeinwesen, sondern auch das eigentliche Sein. Eine solche "Selbstkritik der Vernunft" bedeute aber nicht, das man nun "hinter die Aufklärung zurückgehen" muss, "aber nur, wenn 'Vernunft und Glaube auf neue Weise zueinander finden, können sich der Vernunft ihre ganze Weite wieder öffnen'. [...] Ein Text der tief in die Gedankenwelt Joseph Ratzingers hineinführt, einschließlich der Frage, die seine Thesen offen lassen: Welcher Art ist der Glaube, der aufs Neue mit der Vernunft zusammenleben soll - ein festgefügter oder einer, der Dialog - und Diskussionsprozesse kennt?" Ein Bild (vom Bild) vom Papst!

Donnerstag, 3. August 2006

Immortalitas IV – Die Wiederkehr der Religion oder Antworten auf eine „Kultur der Hinrichtung“

Die destruktive Antwort:
Die verbreitete angestrengte und angstbesetzte Art, maßlose Sehnsucht in mäßiger Zeit zu stillen, scheint immer mehr Menschen zu vielfältigen Formen der Flucht zu bewegen. Escapismus ist der wissenschaftlich Fachausdruck dafür. Das Ziel ist dabei immer das Gleiche: der grauen Unerträglichkeit und angestrengten Banalität des vorfindbaren Alltagslebens zu entrinnen.

Schon vor Jahrzehnten schrieb der Psychotherapeut Rudolf Affemann unter dem Titel „Krank an der Gesellschaft“ eine knappe Analyse, in der er die Fluchtmöglichkeiten aufzählte:

• Ein Fluchtweg führt in das gespielte Leben, in das Schauspiel, das einen einfängt, in Filmen, im Fernsehen, in Traumschiff oder Schwarzwaldklinik.

• Möglich ist es aber auch, das Alltagsleben einfach abzublenden. Dazu helfen Alkohol, noch mehr die Flucht in das erlebnisdichte Paradies der Drogen.

• Andere werden psychosomatisch krank. Das ist eine der gesellschaftlich am meisten honorierten und auch akzeptierten Formen der Flucht

• Auch der Weg in manch eine Sekte fällt unter die Fluchten. Sekten so besehen sind Sonderwelten, alternativ zur bestehenden Welt, mit strengen Ordnungen und Autoritäten, die es den Mitgliedern gestattet, die angesichts der enormen Unübersichtlichkeit des Lebens die lästig werdende Last der riskanten Freiheit los zu werden.

• Schließlich gehört auch der Selbstmord zu diesen Formen der Flucht aus der grauen Unerträglichkeit. Der Wiener Psychotherapeut Erwin Ringel beschreibt den Weg in den Selbstmord als ein immer enger Werden der erfahrenen Lebenswelt. Enge und Angst spielen ineinander. Der Selbstmord ist dann der letzte rettenden Sprung in eine neue Weite.

Sollten jene Recht haben, welche unserer modernen Kultur eine Art „präsuizidales Syndrom“ zueignen: Weil es eben eine pur diesseitige Welt ist, mit neunzig oder etwas mehr Lebensjahren – eine Zeitspanne und ein Lebensraum, indem allein Leben stattzufinden scheint?

Die kreative Antwort:
Es gibt neben der Flucht auch den Aufstand. Dieser hat inzwischen auch in der Forschung einen Namen bekommen und heißt „Respiritualisierung“ oder auch „Wiederkehr der Religion“.

Es ist ein Aufstand gegen die Banalität eines unerträglich werdenden flachen, eindimensionalen Lebens. Es ist der Aufstand gegen das ständige Kleingemachtwerden, die vielen alltäglichen abwertenden Hinrichtungen. Dazu kommt, dass Menschen aufbegehren gegen den subtilen Zugriff des Menschen auf den Menschen. Da schreiben High-tech-Mediziner vor, was ein gesunder Mensch ist und setzen die gesamte Technokratie ein, um die Schöpfung neu zu designen. Modernes Wirtschaften wiederum verfolgt das Wachsen der shareholder values, ohne Rücksicht auf die am Wirtschaften beteiligten Menschen. Die moderne Verwaltung wiederum vermag den Menschen über Microchips bis in seine genetischen Strukturen screenen und sein alltägliches Leben bis in die letzten Winkeln aushorchen und verfolgen. Was ist der Mensch? Klonbare Biomasse, ein genetisch zu verbessernder Zellhaufen? Weniger Wert als das Kapital? Ein verplanbarer Fall? Respiritualisierung kann der Protest gegen solche Erniedrigungen und Verwertungen des Menschen sein.

Damit stehen wir schon vor einer Schlüsselfrage, in der die Forschung noch kaum ausreichende Erkenntnisse besitzt. Immerhin gibt es brauchbare Anhaltspunkte. Es ist die Frage, was sich da im Zuge der Respiritualisierung ereignet? Es geht um eine Phänomenologie dieser neuen Spiritualitäten, die im Kommen sind. Ich versuche einige Punkte herauszugreifen:

Suche nach dem Ich: Moderne Menschen sind dabei, ihre Mitte, ihr Ich zu verlieren. Sie sind buchstäblich außer sich, geschleudert an die Peripherie des Lebensrades. Respiritualisierung dagegen ist die Suche nach dem eigenen Ich, nach der Mitte, nach der Berührung mit der eigenen Tiefe. Es ist der Exodus ins Ego, wie der Psychotherapeut Hans-Willi Weis, der die spirituelle Szene aus eigener Erfahrung kennt, diese Suche nach dem Ich bezeichnet hat. Das Ich zu entdecken, das meint zugleich die eigene Würde und Selbstvertrauen wiederzugewinnen, und das entgegen alle kulturell so gängigen Abwertungen und psychische Hinrichtungen. Der Weg führt die Suchenden in unterschiedliche Tiefen. Die einen landen selbstzufrieden bei sich selbst, andere hingegen graben weiter und finden in sich Urbilder, lernen sich als Gottes Gedanken verstehen und erleben darin eine Würde, die ihnen niemand mehr nehmen kann. Noch mehr: Sie gewinnen dadurch eine Unangreifbarkeit gegen alle versuchten Zugriffe von Menschen auf den Menschen. Sie erleben sich nämlich einig rückbezogen auf Gott (was eine der etymologischen Bedeutungen von Religion ist) und weigern sich daher, sich irgend etwas auf der Welt zu unterwerfen. Es muss hier in Erinnerung gerufen werden, dass dies der Grund ist, warum die Religion immer schon die letzten Feinde totalitärer Systeme waren. Denn religiöse Menschen verweigern den totalen Zugriff weltlicher Mächte (in der Politik, in der Wirtschaft, im Konsum). Gerade das vermeintlich Unpolitischste, nämlich die Religion, erweist sich an dieser Stelle als politisch hochbrisant. „Totalitär“ sind auch andere Systeme: der Konsum, die Kultur des Habenmüssens, die Kultur der Hinrichtung.

Suche nach Verwebung und Vernetzung: Moderne Kulturen vereinzeln den Menschen. Die positive Seite ist die Wertschätzung von Individualität und Freiheit. Die Schattenseite dagegen Vereinsamung, Vereinzelung und psychische Obdachlosigkeit. Im Zuge der Respiritualisierung suchen Menschen nach neuen Verwebungen und Vernetzungen. Solche finden sich in ganz unterschiedlicher Weise. Manche erleben sich als eins mit dem Kosmos, andere greifen auf alte mystische Traditionen zurück und erleben sich als ein Teil des Göttlichen, des Ganzen, des Ursprungs und des Anfangs. Erlebbar werden solche kosmische und mystische Verwebungen durch den Eintritt in unterstützende Gemeinschaften, in denen nicht nur die Würde, sondern eine tiefe Zusammengehörigkeit aller eine zentrale Erfahrung sind.

Suche nach einer Ethik umfassender Liebe: In vielen Feldern modernen Lebens, in Beziehungen, in Büros, in der Freizeit herrscht oftmals ein Lebensstil, der nicht aufbaut. Er ist geboren aus Mangel an eigenem Selbstwert, der sich durch Überheblichkeit über andere und durch das Kleinmachen, ja Niedermachen der anderen überkompensiert. Was dabei auf der Strecke bleiben ist der Respekt vor dem anderen, ist Solidarität mit dem anderen, ist letztlich die Liebe. Die Kultur der „Hinrichtung“ hat wenig Vorrat an solidarischer Liebe untereinander. Die Menschen fühlen, wie sie selbst von solch einem zerstörerischen Lebensstil erfasst sind. Sie merken zugleich, wie sie selbst Opfer solcher abwertender Demütigungen werden. Gegenseitig wertschätzende, fördernde und daher aufbauende Synergien sind in Gemeinschaften und Arbeitsbeziehungen selten geworden. Dagegen begehren aber jene auf, die sich auf eine spirituelle Suche gemacht haben. Sie suchen nach einer neuen Ethik, einer Ethik umfassender Liebe, die aufrichtet und nicht hinrichtet. Umfassend meint: zu den anderen, zu sich, zur Schöpfung, zu Gott. Solche Liebe, so fühlen sie, ist lediglich die Handlungsseite ihres Seins. Weil sie von ihrer Herkunft sich dem liebenden Anfang, den sie Gott nennen, verdanken, tragen sie auch die Möglichkeit in sich, wie Gott Liebende zu sein oder zu werden. Es gibt heute viele Verantwortliche, die sich fragen, wie Menschen auf solch einer spirituellen Suche mit neuer Qualität Unterstützung gegeben werden kann. Diese Frage stellen sich heute keineswegs mehr die alten christlichen Kirchen allein. Die Bereitschaft, spirituell Suchende zu stützen, ist in vielen alten und neue religiösen Bewegungen und Gruppen anzutreffen.

Dabei ist schon mitgesagt, dass nicht alles, was heute in spiritueller Unterstützung auf dem „religiösen Markt“ anzutreffen ist, wahr, gut und deshalb heilsam ist: Denn nur die Wahrheit wird uns frei machen (Gal 5,1). Die alte Lehre der Unterscheidung der Geister bekommt ein neues Gewicht. Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass das Kind nicht mit dem Bad ausgeschüttet wird. Manche meinen ja, dass das, was sich da an neuer Spiritualität ankündigt, von Haus aus des Teufels und theologisch verwerflich ist. Dagegen ist es meine Position, dass jede spirituelle Suche als Moment eines ernsthaften Menschen Respekt verdient. Das Suchen ist vielleicht die stärkste Form des Wirkens Gottes in einem Menschen. Nur wer sich bewegt, kann sich auch auf Gott hin bewegen, genauer: kann sich von Gott selbst auf Gott als seinen Ursprung und seine Quelle hinbewegen lassen. Dann kann durchaus weiter gefragt werden, ob der jeweils ein- bzw. vorgeschlagene Weg der beste oder der richtige ist. Spiritualitätskritik wird zu einem Teil moderner Religionskritik, um die auch die heute stattfindende Respiritualisierung nicht herumkommt: Und das zu ihrem eigenen Wohl, wie ich betone. Denn nichts schadet spirituell Suchenden mehr, als wenn ihnen ein Weg gewiesen wird, der nicht ans Ziel ihrer Sehnsucht führt.

(Quelle: Prof. Dr. Paul M. Zulehner: Megatrend Religion - Kehrt die Religion wieder?)

Immortalitas III – Die Wiederkehr der Religion oder die Sehnsucht nach dem Glück

Sehnsucht ist jenes zentrale Wort, mit dem moderne Anthropologie das Rätsel des Menschen zu verstehen sucht. Der französische Philosoph Jacques Lacan fasst den Menschen mit dem einzigen Wort „désir“, pure und maßlose Sehnsucht, durch Raum und Zeit nicht zu begrenzen, alle Bereich des Lebens durchdringend: Liebe, Arbeit und Amüsement. Allerdings fügt er gleichsam korrigierend bei: Der Mensch ist immer auch zugleich „manque“: Mangel, Entbehrung. Eben darunter leiden wir denn auch: Dass die Rechnungen immer offen bleiben; dass wir stets nach mehr aus sind als stattfindet. Es ist das Leiden an der Endlichkeit, mit der sich auszusöhnen nach Erikson eine der höchsten Leistungen in der letzten Entwicklungsstufe des Menschen ist.

Wie damit leben? Es gehört zur Lebenskunst in allen Kulturen, eben mit dieser maßlosen Sehnsucht des menschlichen Herzens leben zu lernen. Menschen haben das im Lauf der Zeit auf sehr unterschiedlichen Wegen versucht: religiös, atheistisch, pragmatisch.

Der religiöse Weg: Die alten Kulturen betraten dazu den Weg der Religion. Diese erinnert den Menschen daran, wer er im Grund ist: aus einem göttlichen Ursprung geboren, von dessen Art (Apg. 17,28), also geprägt von maßloser Sehnsucht, aus dem Ursprung zu leben, wie dieser zu werden und in diesen heimzukehren. Aus dem Ursprung, dem Anfang aber lebt nur, wer wie der Ursprung selbst lautere Liebe wird: was ihn von Angst und Einsamkeit befreit.

Der atheistische Weg: Unsere moderne Kultur aber hat sich von der Religion und ihren alten Erinnerungen getrennt. Es ist jetzt das Zeitalters Nietzsches, in dem Gott tot ist. Der Mensch ist jetzt, da er Gott für tot hält, sich selbst ausgeliefert. Der atheistische Philosoph Henri Lefebvre, gibt der maßlosen Sehnsucht einen gottfreien Sinn. Er verweist auf Momente, die in unserem Leben stattfinden, die wir Feste nennen sollen. Dazu zählt er die Liebe, gute Arbeit, Erkennen, das Spiel. In diesen Momenten erfüllt sich gleichsam die Sehnsucht. Denn sie ragen aus Raum und Zeit heraus. Wenn Du zum Augenblicke sagst „Verweile doch, du bist so schön“, oder wenn wir mit den Männern auf dem Berg der Verklärung Jesu sagen möchte: „Hier lass uns drei Hütten bauen...“, dann ereignen sich solche Momente. Allerdings meint Lefebvre, dass die Momente scheitern. Die Zeit der „Verklärung“ geht zuende, der Mensch findet sich ernüchtert in den engen Grenzen von Raum und Zeit wieder. Besteht der Sinn der maßlosen Sehnsucht also nur darin, dass es ins alltägliche Leben eingestreut solche Momente gibt – und das eher selten? Der Schriftsteller Ernest Hemmingway lässt in seinem Roman „Wem die Stunde schlägt“ die weise gewordene Alte dem Soldaten, der ihre Tochter liebt, sagen: „Nur dreimal im Leben wackelt die Erde...“ Für die Lebensführung rät Lefebvre, sich um einen versöhnten Alltag zu kümmern und einen zerstörten Alltag zu vermeiden. Der angstbesetzt-zerstörte Alltag lässt Feste nicht auf-, sondern umkommen. In einem versöhnten angstarmen Alltag hingegen können uns neuerlich Feste zufallen, an die wir uns erinnern und die wir herbeisehnen. Es ist die Sehnsucht nach den Momenten, den Festen, die uns lebendig erhält. Die österreichische Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach dichtet in diese Richtung, wenn sie schreibt: Nicht jene sind zu bedauern, deren Träume nicht in Erfüllung gehen, sondern jene, die keine mehr haben.

Der pragmatische Weg: Die Mehrzahl der Zeitgenossen ist aber weder religiös noch atheistisch. Sie sind pragmatische Glückssucher: 85% der Zeitgenossen verfolgen das Ziel zu versuchen, das Beste aus dem Leben herauszuholen Die Kraft der Sehnsucht ist in ihnen (noch) nicht zerstört. Da aber die pragmatischen Zeitgenossen religiös analphabetisch sind, steht ihnen die religiöse Lebenskunst nicht zur Verfügung. Der Verlust der Religion hat auch dazu geführt, dass Sie nur noch mir der irdischen Lebenszeit rechnen. Ihr Leben ist ihnen gleichsam „die letzte Gelegenheit“ (Marianne Gronemeyer). Da aber nötigt sie das Kunststück zu vollbringen, die maßlose Sehnsucht in mäßiger Zeit zur Erfüllung zu bringen, den Himmel auf Erden zu erzwingen. Sie versuchen deshalb, in Liebe, Arbeit und Amüsement optimal leidfreies Glück zu erlangen. Das führt aber dazu, immer rascher und hastiger zu leben. Solches Leben wird angestrengt, anfordernd und überfordernd. Die Angst taucht auf, „zu kurz zu kommen“, was uns wiederum voneinander entsolidarisiert. Vereinsamung ist der Preis. Und aus der tiefsitzenden Angst um uns selbst fangen die Zeitgenossen an, den anderen als Lebenskonkurrenten zu sehen. Daraus ergibt sich eine Kultur der Abwertung des anderen, die dauernd verurteilt, richtet und hinrichtet statt zu ermutigen, aufzubauen und zu unterstützen (Henri Nouwen).

(Quelle: Prof. Dr. Paul M. Zulehner: Megatrend Religion - Kehrt die Religion wieder?)

Immortalitas II – Die Angst vor dem Tod

Zwei Dinge sind Gewiss, stellt Frederic Beigbeder in seinem Roman „Der romantische Egoist“ fest: Der Tod der Erde und der eigene. Er stellt sich die Frage, wessen Tod zuerst kommen sollte. Der Tod der Erde ist vorzuziehen, denn dies käme am Ende aufs Gleiche raus. Zum einen besteht nicht mir die Gefahr etwas, d.h. die Zukunft zu verpassen. Mit dem Tod der Erde stirbt man zudem mit allen anderen Menschen zugleich. Man entgeht der Einsamkeit, dem einsamen Tod. Dies seien die zwei Gründe, weshalb alle Feldherrn und Kriegstreiber der Geschichte geradezu auf die Apokalypse, auf den Tod der Erde hinarbeiteten: Die Angst vor einem einsamen Tod und die Angst die Zukunft zu verpassen. Das ist egoistisch, gibt Beigbeder bzw. sein Alter Ego, Oscar Dufresne zu, aber wer sei heute denn kein Egoist, suche denn nicht einen guten Tod. Das dieser das unausweichliche Ende sei, ist ohnehin klar.

Dies ist eine sehr zynische Weltsicht, entspricht sie aber doch am ehesten jener unserer aufgeklärten Zeitgenossen.

Dienstag, 1. August 2006

Immortalitas I – Der unsterbliche Ruhm (Zur Einführung)

Nichts hat der Mensch, seit er vor tausenden Jahren Bewusstsein erlangte und dafür zugleich mit dem Wissen um seine Sterblichkeit gestraft wurde, ebenso verbissen, verzweifelt und erfolglos bekämpft wie die unaufhaltsame Vergänglichkeit. Alter und Tod gelten als die ewige Demütigung, die unverzeihliche Kränkung des Menschengeschlechts. Von den längst vergessenen Schamanen der Steinzeithöhlen, über die chinesischen Kaiser bis zu den Alchemisten des Mittelalters – durch die Jahrtausende hofften die Menschen, ein Elixier zu finden, das Unsterblichkeit verleiht, einen Jungbrunnen der dauernden Jugend. Wie die Versuche ausgingen, ist bekannt.

"Lebe schnell, stirb rasch und hinterlasse eine schöne Leiche", soll James Dean gesagt haben. Bereits mit seinem ersten Film "Jenseits von Eden" wurde er als Star gefeiert, für den Oscar nominiert und galt als neues Idol. Damit ist er das Bild dafür, wie heute Unsterblichkeit verstanden und angestrebt wird. Anerkennung und Berühmtheit, "Spuren hinterlassen" heißt es - dies sind die zeitgeistigen Wege zum ewigen Leben, die auch einen frühen Tod in Kauf nehmen. Die Menschen werden noch lange fasziniert bleiben vom Leben und Sterben des James Dean, der sich schon berühmt fühlte, als er noch im Schnellimbissen die Tische säubern musste. Und wie kann man auch nicht fasziniert sein von einem, der in so jungen Jahren diese Sätze in einem Brief an den Pfarrer seiner Heimatstadt schreibt: "Ich meine, es gibt nur eine wahre Form von Größe für einen Mann. Für mich liegt der einzige Erfolg, die einzige Größe in der Unsterblichkeit." James Dean hat für diesen Erfolg sehr jung sein Leben geben müssen. Aber er war vermutlich völlig einverstanden mit diesem.

Ist das aber der Weg "Herr, zu wem sollen wir gehen, Du hast doch Worte ewigen Lebens?" (vgl. Johannes 6,68) Unsterblichkeit hat etwas mit der Kehre der Bewegung zu tun. Mit Umkehr und Reue. Denn die Endlichkeit scheint selbst schon eine Art Sünde, da sie etwas Nichtgöttliches ist. Erst durch die Umkehr löst sich die "Sünde" des Endlichen auf, und in diesem Sinne wird "Gott alles in allem". Dieser Weg bedeutet Erlösung und Erlösung bedeutet Befreiung von der Endlichkeit, die als solche die eigentliche Last unseres Seins ist. (vgl. "Der Geist der Liturgie")
Nicht Ruhm oder das hinterlassen von Spuren bringt uns das ewige Leben, die Unsterblichkeit, sondern die Umkehr, denn "der Stachel des Todes ist die Sünde". Aber "Der Tod ist verschlungen vom Sieg! Tod, wo ist dein Stachel? Tod, wo ist dein Sieg?" (1Kor 15, 53-54) Durch Liebe hat Christus den Tod besiegt. Wer sein Wort hört und dem glaubt, der ihn gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen. (vgl. Joh 5,24)
Wie trostreich!

Freitag, 23. Juni 2006

Priesterweihe 2006

Kardinal Dr. Christoph Schönborn weiht am 23. Juni, dem Hochfest des heiligsten Herzens Jesu fünf Diakone um 16 Uhr im Wiener Stephansdom zu Priestern.

Ich möchte Menschen nicht dazu weihen, dass sie ausschließlich als Sakramentenspender in den Gemeinden hin- und herpendeln und sich nur noch in der Sakristei aufhalten. Ich wünsche mir für die Kirche der Zukunft auch keine Laien, die in Sachen des Glaubens unmündig sind. Ich wünsche mir Gemeinden und Priester, die sich gemeinsam auf den Weg des Glaubens machen. (Bischof Franz Kamphaus)

MMag. Seweryn Maksymilian Bojanowski
geboren am 23. Oktober 1969 in Gdansk (Polen)

Mag. Oreste Da Rin Floretto
geboren am 21. Oktober 1973 in Padua (Italien)

Dipl.-Ing. Mag. Andreas Kaiser
geboren am 20. November 1972 in Reichenau an der Rax

Mag. Wolfgang Polder
geboren am 15. Juli 1949 in Wien

Mag. Jesus David Jaen Villalobos
geboren am 15. Jänner 1975 in San Fernando (Spanien)

(aus: "Die Woche in St. Stephan")

Sonntag, 4. Juni 2006

Hochfest zur Aussendung des heiligen Geistes - Pfingsten.

Abschluß der Reihe "Man muss allzeit beten".

"Es ist gut für euch, dass Ich hingehe" (Joh 16,7). Das waren Jesu Worte, ehe Er uns verließ. So hat Er selbst die letzte Weise Seiner Begegnungen mit uns gezeigt und verdeutlicht, Seine letzte Zusammenkunft, das immerwährende Zusammensein, das Er jedem von uns für die Ewigkeit der Ewigkeiten bereitet hat.

"Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage..."
Glauben wir daran? Fühlen wir uns wirklich so "begünstigt"?

"Wenn Ich nicht hingehe, wird auch der Tröster nicht zu euch kommen. Wenn Ich aber hingehe...dann kommt Jener, der Geist der Wahrheit...Er wird euch in alle Wahrheit einführen" (Joh 16,7-13). Nehmen wir diese Worte als ein Versprechen? Oder nur als frommen Trost? Als schönes Märchen? Oder glauben wir, dass es wahr ist?

Qui diceris Paraclitus – Komm, Tröster, der die Herzen lenkt. Dieser Tröster, dieser Geist der Wahrheit, dieser Gefährte, den man uns ankündigt - sind wir uns jemals Seiner Gegenwart bewusst geworden?

"Er ist es, der uns rufen lässt: Abba, Vater!" (Röm 8,15). Aber wie oft sind wir wirklich davon überzeugt gewesen, dass wir einen Vater haben? Wie oft haben wir uns tatsächlich als Söhne gefühlt, als Söhne und Töchter Gottes? Ohne Ihn wäre die Religion nichts als ein Bündel von Pflichten ohne Möglichkeiten, ein hohles Gebet, wirkungslose Sakramente, eine langweilige Messe, gehalt- und sinnlos. Er ist es, der uns die Dinge Gottes kosten, den Geschmack an ihnen prüfen lässt. Aber finden wir Geschmack an ihnen?

"O Gott, der Du die Herzen der Gläubigen durch den Hauch des Heiligen Geistes erleuchtet hast, gib uns durch diesen selben Geist den dauernden Geschmack an den Dingen Gottes und die ständige Freude an der Gegenwart dieses Tröster-Geistes: durch Jesus Christus, unserm Herrn." (Gebet zum Heiligen Geist.)

Nur die Kinder des Hauses haben den Wunsch, alles zu wissen, was im Hause vorgeht. Die Fremden kümmern sich nicht drum. Aber die Söhne und Töchter interessieren sich für alles, was beim Vater geschieht. Wenn wir nicht den Geist (der Kindschaft) Gottes haben, dann sind die Dinge Gottes ohne Interesse für uns. Sie „sagen“ uns nichts mehr. Wie viele Christen müssen nicht, wie die Leute, die der heilige Paulus zu bekehren unternahm, gestehen: „Wir haben nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt!“ Sie haben Ihn beim Namen genannt, gewiss, hunderte Male, und haben das „Amen, „So sei es“, dahintergesetzt. Aber haben sie jemals bedacht, dass sie von dem Urquell ihres Lebens selbst gesprochen haben? Dass Der, den sie eben nannten, genau derselbe ist, der ihnen die Lippen erschlossen hatte, damit sie Ihn überhaupt nennen konnten? Haben diese erkalteten Menschen, die in ebenso kalten Predigten eingeladen werden, „ihre Ostern zu halten“, jemals gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt – einen Geist der Liebe, des Austausches, der Anteilnahme, der Freude, der brüderlichen Verbundenheit –, in den sie eingehen, mit dem sie sich verbinden sollen; der sie für immer mit den andern, in einem Leib, bewahren will? Dass dies eben die Kirche ist? Dass man eben diesen Geist finden muss, um wirklich „Ostern gehalten zu haben“? Wenn der heilige Paulus diesem „Leben des Geistes“ (Leben durch den Geist) das „Leben des Fleisches“ entgegensetzt (Röm 8,9-14), dann erklärt er damit, dass es unmöglich ist, Christus anzugehören, ohne unser gewohntes Leben zu ändern. „Wenn einer Christi Geist nicht hat, so gehört er nicht zu Ihm.“

Der Heilige Geist ist Ursprung und Urquell der Fleischwerdung Christi in jedem Christen, so wie Er Ursprung und Urquell der Fleischwerdung Christi im Leib der Jungfrau Maria gewesen ist. Dass der Heilige Geist in uns wohnt, ist ebenso wahr wie die Fleischwerdung Christi. Die geschichtliche Fleischwerdung Jesu setzt sich fort und vollendet sich in einer Geistwerdung der gesamten Menschheit.

Pfingsten hat geoffenbart, dass Gott nicht für dreiunddreißig Jahre, sondern für immer Fleisch geworden ist. Dass Er das, was Sein Leben ausmacht (das heißt, Seinen Geist der Liebe), für immer mit uns teilt. Pfingsten – das ist der Auftakt zur unwiderruflichen, immerwährenden Gegenwart Christi hier in der Welt. Und wo ist Er? Im Menschentum eines jeden von uns. Dort setzt Er nun Sein Werk fort – das Werk der Fleischwerdung, der Erlösung. Fleischwerdung Gottes, Erlösung der Welt. Dass der Geist Jesu in unseren Herzen wohnt, ist wohl bedeutungsvoller als die geschichtliche Fleischwerdung. Pfingsten scheint ein gewaltigeres Ereignis als Weihnachten. Denn in der Fleischwerdung – da wir Gott zum Menschen, Gott wird ein Mensch. Zu Pfingsten aber werden die Menschen aufgerufen, „Gott zu werden“. Gott hat sich nicht nur zu uns herabgeneigt, sondern Er will uns auch zu Sich emporheben. Die Offenbarung des Geistes ist viel großartiger, auffallender als die des Sohnes. Die Fleischwerdung des Sohnes geschah im Dunkeln, in der Nacht, in einem Stalle.

Pfingsten aber platze wie eine Bombe in den helllichten Tag hinein, und Hunderte Menschen waren Zeugen dieser Verwandlung. Hier war nicht mehr Gott, der in Not und Leid zum Menschen wurde, sondern eine ganze Schar Männer, die im gleißenden Licht und voll Entzücken „Gott“ wurden. „Ihr werdet größere Dinge tun als Ich“: Jesus denkt an die Kirche, wenn Er dies weissagt. Das ureigenste Werk des Geistes ist die Kirche. „Wenn du die Gabe Gottes kenntest!“ Diese Gabe ist die Kirche. Altissimi donum Dei – Beistand, den der Vater schenkt. Gott für den Menschen im Menschen. Mit dem Menschen verbunden. Was ist das Beste, das Gott besitzt? Sein Geist (der Liebe). Er gesellt Ihn uns bei. Er lässt uns an Ihm teilhaben. Und durch den Zusammenschluss jener, die Ihn empfangen haben, entsteht und wächst die Kirche. Wenn Jesus uns sagt, dass Er uns Seinen Geist der Liebe senden wird, dann zieht Er sich nicht zurück, sondern verspricht uns den, der uns am engsten mit Ihm verbindet.

Wo werden wir Ihn finden? Wo müssen wir Ihn finden? Der Vater hatte sich im Alten Testament geoffenbart. Er wurde verraten, missverstanden. „Nachdem Er verschiedene Male zu unsern Vätern durch die Propheten gesprochen hatte“ Aber Jerusalem hat die Propheten getötet: „Sie prügelten den einen, den andern töteten und den dritten steinigten sie. Zuletzt sandte Er Seinen Sohn zu ihnen“ (Mt 21,35-37). Der Sohn hat sich im Neuen Testament geoffenbart, und indem Er sich offenbarte, offenbarte Er den Vater („Wer Mich sieht, sieht auch den Vater“). Dann endlich wurde uns der Heilige Geist – in der Kirche – gesandt. Er offenbart uns den Vater und den Sohn und Seine eigene Macht der Liebe – den Geist der Kindschaft (Röm 8,15) – ,die uns diese Dreieinigkeit nicht nur enthüllt, sondern uns in sie hineinführt. „Vater, Du in Mir und Ich in ihnen“ sagte Jesus, nachdem Er den Heiligen Geist angekündigt hatte. Und tatsächlich, das ist das Werk des Heiligen Geistes: „dass sie eins seien, wie Du und Ich, Vater, eins sind“ (Joh 17,11).

Und das ist nun die Aufgabe der Kirche, aller derjenigen, die wie Maria ihr „Fiat“ sprechen, dass das Wort in ihnen Fleisch werde. Aller derjenigen, in denen ein „neuer Mensch“ durch den Heiligen Geist empfangen wurde. Weil sie dazu bereit sind. Weil sie sich von diesem Geist des Mitteilens und der Liebe packen lassen. Dem Geist der Kommunion.

Der Heilige Geist ist der Lebensspender der Kirche, ihr Spiritus rector. Er ist es, der sie unablässig neu schafft, sie „von allen vier Winden“ her unermüdlich sammelt. Er ist es, der allen Hindernissen zum Trotz bewirkt, dass es Menschen gibt, die einander lieben: „Betrübet den Heiligen Geist nicht, in dem ihr auf den Tag der Erlösung besiegelt seid...Seid vielmehr miteinander gütig und barmherzig und vergebt einander“ (Eph 4,30.32). „Alle, die vom Geiste Gottes getrieben werden, sind Söhne Gottes“ (Röm 8,14). Wer sich von der Gemeinschaft der Brüder – von dem Geist der Gemeinschaft – fernhält, ist nicht mehr Sohn. Wo immer zwei oder drei in Seinem Namen beisammen sind, ist Er mitten unter ihnen. In Seinem Namen – das will sagen: in Seinem Geist. Es ist immer der gleiche Grundton: „Vater, dass sie eins seien, wie Wir eins sind – eins in Uns.“ Es gibt keine gültige Gemeinschaft als mit Ihnen. Und es gibt keine gültige Einigung mit Ihnen als in Mit-Gemeinschaft. Mit mehreren. Eng verbunden.

„Und ihr sollt erkennen, dass Ich der Herr bin...wenn Ich euch Meinen Geist gebe, dass ihr lebt, und euch Ruhe gewähre in eurem Lande.“ (Liturgie vom Karsamstag) Diese Ruhe, das ist die Freude des Pfingstfestes – im Gegensatz zu der Verwirrung beim Turm von Babel –, die Freude aller Pfingsten, an denen Menschen mit einem Schlag zur wahrhaften Liebe, zum wahrhaften gegenseitigen Verstehen erwachen. Und welches Mittel verhilft uns dazu, den Nächsten zu verstehen? Die Liebe. „Jeder einzelne hörte sie in seiner Muttersprache reden.“ Es handelt sich da nicht um einen sprachwissenschaftlichen Kraftakt, sondern die Nächstenliebe ist es, die uns so wandelt, dass jeder sich verstanden, geliebt, glücklich, nahe bei uns fühlt. „Ihr wisst, welch Geistes ihr seid!“

Man muss darauf achten, dass man den Beinamen „Tröster“, den man dem heiligen Geist gibt, nicht zugunsten unseres Individualismus (d.h. unserer Sünde) verfälscht. Als Christus noch mit seinen Aposteln zusammen war, wurden die Apostel viel öfter durchgerüttelt als „getröstet“. Der Trost besteht in der gegenseitigen Liebe. Es handelt sich nicht darum, jedes mal, wenn wir „gekränkt“ über die „Undankbarkeit“ unserer Brüder sind, still in eine kleine, verschwiegene Kapelle zu flüchten und dort zum Herrn zu jammern, damit der Heilige Geist uns über unseren Mangel an Liebe tröstet. Wir gelangen zum Heiligen Geist (der Liebe) nur durch die Liebe. Der Trost des heiligen Geistes besteht darin, dass Er uns unablässig und immer von neuem die Kraft verleiht zu lieben. Sein Werk besteht nicht darin, diesen oder jenen zu erleuchten, sondern darin, den Leib Christi zu beleben und aufzubauen. Daher sind die Bedingungen für die Gabe und das Wirken des Heiligen Geistes wesentlich gemeinschaftsbestimmt. Er wirkt in der gegenseitigen Liebe der Gläubigen als Geist der Liebe und der brüderlichen Eintracht. Der Heilige Geist, der den Vater dem Sohn und den Sohn dem Vater zuwendet, muss auch uns einander zuwenden. Wie schwer fällt es uns, uns zur Anbetung eines fleischgewordenen Gottes bereit zu finden! Wenn man das Credo singt, beugt man sich bei den Worten „und ist Mensch geworden“. „Homo factus est“ – „Gott ist Mensch geworden.“ Er ist... dieser Nachbar geworden, der zu nah ist, als dass wir gut beten könnten. Aber was für einen Wert hat unser Gebet, wenn wir uns von Ihm abkehren, um Ihn dort zu suchen, wo Er nicht ist: in unserer einsamen Abgeschlossenheit, in unserer geistigen Innerlichkeit: „Jesus und ich in einer Flasche.“ Gut verkorkt! Man vergräbt das Gesicht in die Hände, um behaglich seinen persönlichen kleinen heiligen Geist zu genießen. Glücklich diese taubstummen Blinden! Sie vernehmen nicht die unangenehmen Rufe dieses Fleisches, bei dem es doch nicht ganz sicher sein mag, dass das Wort darin gefesselt wurde. Trotzdem kniet man nieder, wenn man bei der Pfingstmesse sagt: „Veni Sancte Spiritus...est tui amoris in eis ignem accende.“ - Komm, Heilige Geist...und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Auch hier ist Fleischwerdung. Er hat sich in diesen Menschenteig eingesenkt, und so beglückt müssen wir darüber sein, dass wir unsere Freude nur auf den Knien liegend ausdrücken können. Wenn wir Gott im Menschen nicht anerkennen, dann ist mit uns nichts anzufangen. Wir sündigen durch diese Pseudo-Geistigkeit im präzisen Sinne des Wortes „wider den Geist“, der uns alle diese „Dinge“ lehren muss, deren beginn die Fleischwerdung ist. Nur wenn man den andern angehört, gehört man Christus an.

Samstag, 3. Juni 2006

"Man muss allzeit beten" - Teil III

Eine Meditation mit Bildern auf Pfingsten hin

Christus will, dass wir unser Herz leer machen, aber nur um es mit Göttlichem zu füllen. Diese Reinigung ist und bleibt so lange unvollkommen, als sie nicht diese göttliche Fülle zur Folge hat, gerade so, wie sich das göttliche Leben in uns nicht entfalten kann, wenn wir uns nicht von den geschöpflichen Dingen freimachen. Das Sterben des Ich und das Leben in Gott sind unzertrennlich miteinander verbunden; das eine ohne das andere ist unmöglich.
Hören wir, was Christus denen verheißt, die Sein Wort befolgen! Es sind Verheißungen, die Er an jedem von uns erfüllen will, ja göttliche Ungeduld brennt in Ihm, sie zu verwirklichen. "Wer Mich liebt, der wird von Meinem Vater geliebt, und auch Ich will ihn lieben und Mich ihm offenbaren. Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen" (Joh 14,21-23).

"An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass Ich in Meinem Vater bin und das ihr in Mir seid und Ich in euch" (14,20). "Ich will den Vater bitten, dass Er euch einen anderen Beistand gebe, der in Ewigkeit bei euch bleibe: den Geist der Wahrheit. Er wird bei euch bleiben und in euch walten" (14,16-17). Dieses gegenseitige Innewohnen, diese Verschmelzung, dieses staunenerregende Einswerden mit den drei göttlichen Personen ist das erhabene Ziel, welches man den Seelen gleich zu Beginn des geistlichen Lebens vor Augen stellen soll. Das ist der ausdrückliche Wunsch und Wille unseres Herrn selbst. Es genügt nicht, die Seelen für ein himmlisches Ziel zu begeistern: man muss sie in das Reich Gottes selbst eintreten lassen und ihnen zeigen, dass dieses schon hienieden ihr Anteil und Besitz ist: "Das Reich Gottes ist in euch" (Lk 17,21).

Außerhalb dieses Einswerdens mit Christus, unserem Herrn, und des trauten Umgangs mit dem Vater und dem Heiligen Geiste, der die Folge davon ist, gibt es weder ein wahrhaft tiefes geistliches Leben, noch eine übernatürliche Fruchtbarkeit.
"Bleibt in Mir, dann bleibe Ich in euch. Wie die Rebe, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, aus sich selbst keine Frucht bringen kann, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in Mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in Mir bleibt und in wem Ich bleibe, der bringt viele Frucht, denn ohne Mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in Mir bleibt, wird wie eine Rebe weggeworfen und verdorrt, man rafft sie auf und wirft sie ins Feuer, wo sie verbrennt. Wenn ihr in Mir bleibt, und wenn Meine Worte in euch bleiben, so möget ihr bitten, um was ihr wollt; Es wird euch zuteil" (Joh 15,4-7).
Das stille Gebet der Christus geeinten Seelen, die aus Seiner Lebensfülle leben, ist von souveräner Macht und Bedeutung. Eine solche Seele ergeht sich nicht mehr wie früher nur in Bitten und Danksagungen. Ihr Gebet ist ein ununterbrochener, vollklingender Zusammenklang mit dem Gebete Christi, das einzig Gottes Wille ist.

"Ihr werdet Mich um nichts mehr fragen, denn der Vater wird euch alles geben, um was immer ihr Ihn in Meinem Namen bittet" (Joh 16,23).
"Ich sage euch nicht, dass Ich den Vater für euch bitten werde, denn der Vater liebt euch, weil ihr Mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, dass Ich von Gott ausgegangen bin" (Joh 16,27).
Die Seele, welche sich dem göttlichen Worte ganz erschlossen, die Es in sich aufgenommen hat wie die allerseligste Jungfrau, wird gleich dieser ein Sitz der Weisheit. Sie ist vom göttlichen Lichte erleuchtet. Ganz ausdrücklich verheißt unser Herr selbst einer solchen Seele, in welcher Er mit dem Vater und dem Heiligen Geist wohnen will, diese der Welt unbekannte Gabe. "Der Beistand aber, der Heilige Geist, Den der Vater in Meinem Namen senden wird, Der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was Ich euch gesagt habe" (Joh 14,26). "Nicht mehr Knecht nenne Ich euch, denn der Knecht weiß nicht was sein Herr tut. - Freunde habe Ich euch genannt; denn alles was Ich von Meinem Vater gehört, das habe Ich euch geoffenbart" (Joh 15,15). "Wenn der Geist der Wahrheit kommt, wird Er euch in alle Wahrheit einführen" (Joh 16,13).

Diese Erkenntnis ist das schon hier, in dieser raumzeitlichen Welt, begonnene ewige Leben. "Das aber ist das ewige Leben: Dich erkennen, den allein wahren Gott und den Du gesandt hast, Jesus Christus" (Joh 17,3).
Dieses Erkennen ist keine bloß theoretische, abstrakte Wissenschaft, sondern die in Tat und Leben umgesetzte, verwirklichte Weisheit, voll Liebe, Güte, Barmherzigkeit und Milde. Kraftströme der göttlichen Liebe durchfluten die ihr treue Seele, um von ihr aus in zahllose andere Seelen weiterzuströmen und dann wieder zu ihrem Urquell zurückzukehren. Je mehr diese Liebe in der Gotteswirklichkeit an Hochherzigkeit und Innigkeit zunimmt, um so stärker wird die Seele von einer stets wachsenden, tiefen Erkenntnis überstrahlt, die ihrerseits wieder die Liebe mehrt. "Bleibt in Meiner Liebe!" (Joh 15,9). Wenn Verstand, Wille und Einbildungskraft auf diese Weise geläutert und wieder zu ihrem göttlichen Ursprung zurückgeführt sind, wenn die Seele von dem göttlichen Leben erfasst und in dasselbe einbezogen ist, lernt sie auch die wahre Freude kennen. "Das habe Ich euch gesagt, auf dass Meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde" (Joh 15,11). "Euer Herz wird sich freuen und eure Freude wird niemand von euch nehmen" (Joh 16,22). "Dies habe Ich euch gesagt, damit ihr in Mir den Frieden habt. Frieden hinterlasse Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch" (Joh 16,33;14,27).

In der lichtklaren Einfachheit und Sicherheit eines bis in den letzten Tiefen vergöttlichten Lebens erfreut sich die Seele eines unnennbaren Friedens. Sie erlebt in sich die Erfüllung der letzten Worte des Hohepriesterlichen Gebetes: "Damit sie ein seien, wie Du, Vater, in Mir bist und ich in Dir bin, so sollen auch sie in Uns sein, damit die Welt glaube, dass Du mich gesandt hast." "Ich habe die Herrlichkeit, die Du mir gegeben, ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie wir eins sind" (Joh 17,21-22).

Dienstag, 30. Mai 2006

"Man muss allzeit beten" - Teil II

Eine Meditation mit Bildern auf Pfingsten hin

Jesus Christus sagt: "das Reich Gottes ist in euch" (Lk 17,21). Nicht nur irgendwie, sondern zutiefst in unserem Wesen: "Wer Mich liebt wird Mein Wort halten, Mein Vater wird ihn lieben und Wir werde zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen" (Joh 14,23).

Leider dringen wir zu wenig in diese Wahrheit ein. Viele Seelen sind ehrlich bestrebt, ein immer makelloseres Leben zu führen. Aber nur wenige wählen den Glauben zu ihrem sichern Führer, schöpfen Kraft aus der Hoffnung, lassen sich von der Liebe ganz und gar durchglühen und haben so vollkommen teil an jenem Leben, das Jesus uns gebracht hat.

Wir leben eingehüllt in göttlich Liebesbeweise. Nicht Gott hindert uns, von heute an innigst vereint mit Ihm zu leben. Wir müssen nur mit ganzem Willen dieses übernatürliche Leben in Gott Leben wollen. Die Richtlinien kennen wir, der Weg liegt vor uns offen. An uns ist es, ihn zu beschreiten; tun wir es nicht, so ist es unsere Schuld.

Doch gestehen wir es ein, "die Kinder der Welt sind in ihren Angelegenheiten klüger als die Kinder des Lichtes" (Lk 16,8). Wir tragen in uns einen kostbaren Schatz von unendlichem Wert - die heiligmachende Gnade. Aber wir würdigen ihn nicht und machen ihn deswegen unfruchtbar. Ob unser Heiland nicht darauf hinweist, wenn Er im Gleichnis von dem Talent erzählt, das der ungetreue Knecht in die Erde vergrub und liegen ließ? (Mt 25,18).

Jesus aber begnügt sich nicht damit, uns diesen Reichtum innigster Liebesgemeinschaft mit Ihm bloß anzubieten. Er drängt uns mit Ungestüm, ja Er nötigt uns fast, ihn anzunehmen. Er verfährt mit uns fast ähnlich wie mit jenem Armen und Krüppeln im Evangelium, die der Herr zum göttlichen Festmahl rufen lässt, und sie haben nicht mehr die Freiheit, diese Einladung auszuschlagen: "Compelle intrare", - "nötige sie hereinzukommen" (Lk 14,23).

Kommen wir der Einladung Seiner Güte nach und beten wir von jetzt an mit der Kirche zu Gott: "Herr, verleihe uns Wachstum im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe!". Wir begnügen uns nicht mehr damit, unser Tagewerk mit ein paar Gebetlein zu beginnen und zu schließen. Solche vereinzelten Übungen machen kein Leben aus. Leben bedeutet: eine anhaltende, dauernde Tätigkeit. Jesus selbst will unser Leben sein. "Ich bin das Leben" (Joh 11,25).

Immer, ohne Unterlass sollen wir mit Gott vereint sein. Nicht um diesen oder jenen frommen Akt, oder um diese oder jene Andachtsübung oder Formel ist es Gott zu tun. Er will uns ganz. Er beansprucht alle unsere Zeit, alle unsere Kräfte, unsere ganze Seele. Dafür gibt Er uns die Möglichkeit, das ewige Leben schon hienieden zu beginnen. Folgen wie dem Aufruf unseres Meisters, um die wundersam reine, klare Luft ewiger Wahrheit und Liebe atmen zu können!

Montag, 29. Mai 2006

"Man muss allzeit beten" - Teil I

Eine Meditation mit Bildern auf Pfingsten hin

Indem wir während des Tages die wesentlichen Akte der Betrachtung möglichst oft wiederholen, wecken und entfalten wir in uns den Geist des Gebets. Das Wort des hl. Johannes wird zum strahlenden Stern und Leuchtfeuer in unserem Leben: "Gott ist die Liebe, wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (1 Joh 4,16). Als Folge davon erfahren und verwirklichen wir das andere Wort des gleichen Apostels: "Wer aus Gott geboren ist, sündigt nicht, weil Sein Lebenskeim in ihm lebendigt bleibt" (1 Joh 3,9).


Nichts ist leichter, als sich von Zeit zu Zeit - und wäre es auch nur für einige Sekunden - von den Beschäftigungen und Verrichtungen des täglichen Lebens loszumachen, um sich mit Gott zu vereinen. "Wie gut ist es für mich, Gott anzuhangen" (Ps 73). Jeden Augenblick kann ich mit Ihm reden, ja ich bedarf nicht einmal der Worte dazu. Ein kurzer Blick in mein Inneres, ein Gruß, ein Akt der Liebe, des Vertrauens, der Bitte um Licht und Kraft, je nach Umständen und Bedürfnis, genügt. "Ich erinnerte mich an Gott, und fröhlich ward mein Herz" (Ps 77). So schaffe ich mir allmählich eine innere Einsamkeit, in der ich beständig auf die Stimme meines Vielgeliebten hinhorche, der selbst mir diese traute Zwiesprache verheißt: "Ich werde ihn in die Einsamkeit führen und da zu seinem Herzen sprechen" (Hos 2,16).


Ich bemühe mich mit immer größerer Treue, dieser Stimme zu lauschen und alles freudvoll zu erfüllen, was er von mir will. "Ich lausche, was in mir der Herr spricht" (Ps 85,9). Wenn Schwierigkeiten sich mir entgegenstellen, nehme ich meine Zuflucht zu Ihm. In Ihm finde ich Licht und Kraft, mit Ihm teile ich meine Freude, mit einem Wort: Er nimmt den ersten Platz in meinem Denken und Handeln ein. Mein ganzes Leben, das bisher nur um mein eigens Ich kreiste, findet fortan seinen ganzen Sinn und Zweck einzig in Ihm.


All das tue ich ohne gewaltsame Anspannung des Geistes. Die häufige Wiederholung einzelner Tugendakte bewirkt die Ausbildung tugendhafter Gewohnheiten. Wenn ich also in die Atmosphäre des Lebens beständigen Glaubens, Vertrauens und Liebens gelangen will, muss ich nur solche Akte möglichst oft wiederholen. Ich bin dann sicher, dass Gott mich zu Seiner innigsten Lebensgemeinschaft ruft. "Meine Wonne ist es ja, bei den Menschenkindern zu sein" (Spr 8,31). Ich scheue weder Mühe noch Arbeit, um diese Lebens- und Liebesgemeinschaft so schnell wie nur möglich zu erwerben und dauernd darin zu verbleiben.

Freitag, 28. April 2006

Der Wille zur Macht - ein Wille zur absoluten (individuellen, kinderlosen) Freiheit?

Eine Betrachtung zum Gedenktag der heiligen Gianna Beretta Molla

"Der Herr aber ist der Geist; und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit." (2Kor 3, 17)

Die heilige Gianna Beretta Molla ist ein einzigartiges Vorbild in unserer Zeit, in der unaufhörlich über christliche Werte, Feminismus und die Rolle der Frau, in einer Zeit, in der über das Für und Wider von Abtreibungen diskutiert wird und man sich fragt, wie erstrebenswert es heute wirklich noch ist eine Familie zu gründen, wie sehr Kinder und das aufopfern für diese dem eigenen Karrieredenken, dem eigenen Selbst vorzuziehen sind? Sicher: "Keine Frau", stellt Ulrich Greiner in einem ZEIT-Artikel mit Bezug auf ein Essay von Iris Radisch fest, "wird ihre Entscheidung für oder gegen ein Kind von der Lage der Rentenversicherung und vom Blick auf die Alterspyramide abhängig machen. Und ich kann gut verstehen, dass sich die Kollegin Radisch über die Bigotterie empört, mit der eine scheinerregte Öffentlichkeit das Problem des Kindermangels einfach auf die jungen Frauen ablädt, während es doch in Wahrheit alle angeht. Nun hat aber Iris Radisch die eigentlich Schuldigen ausgemacht, nämlich die Männer." Im weiteren verteidigt Ulrich Greiner "die" Männer und weist die Schuld von ihnen, geht aber nicht weiter auf das Problem des Kindermangels selber ein, das m.E. vielmehr darin liegt, dass das Kind nicht mehr jenen positiven Stellenwert in der Menschheit hat, wie es lange Zeit der Fall war. Während sie heute als Bedrohung der Individualisierung, die unter dem Deckmantel des trendigen Begriffs der Selbstfindung daherkommt, gesehen werden, erkannte man sie die ganze Menschheitsgeschichte hindurch, bis vor einhundert Jahren als Segen. Kinder, die neuen Menschen, werden heute als Gefährdung der eigenen Zukunft und des Lebensraums abgelehnt, womit die Individualisierung sich als zutiefst verwurzelter Egoismus, wenn nicht sogar Narßismus zu erkennen gibt. Der heutige Egoismus zeigt sich eben vor allem in einem exzessiven Ausleben einer Persönlichkeit, dass heißt das sichtbare Nachaussenkehren einer scheinbaren Individualität. Das aber die Individualität in Wahrheit eine Lüge und zugleich aber eine uralte Realität ist und damit die Individualisierung keine Revolution des Indivuums, sondern eher ein sich lächerlich machen ist wird nicht erkannt. Denn in Wahrheit drängt doch das "Individuum" in die Masse und jedes "anders-sein-wollen" muss daran scheitern, das ein völliges Anders-Sein niemals erreicht werden kann. Das gleichzeitige hineindrängen und abheben wollen von einer uniformierten Individualmasse führt schließlich eben zu jenem niemals endenden „Selbstfindungs- oder Selbsterkennungs-Trend“, der heute herrscht, da man doch nie sein ganz anderes Selbst finden kann. Ein nicht unwichtiger Grund, weshalb die Menschen scheinbar so wenig über sich selbst wissen ist, und das ist vielleicht ein Versäumnis der Aufklärung, die den Menschen stets nur sagte, sie seien „vernunftbegabte Individuen“, aber nicht was sie mit dieser Formel anzufangen haben, das ihnen die meisten bloß sagen wie sie sein sollen und nicht wie sie sind. Dies übernimmt heute nun die (Werbe-)Industrie, die viel weniger sagt, wie wir sein sollen, wie weithin angenommen wird, sondern eher, wie wir sind: Wir sind zu dick, wir sind zu alt, wir fahren ein zu schlechtes Auto, wir riechen zu schlecht etc., woraufhin uns vorgegaukelt wird, dass es uns mit bestimmten Produkten viel besser geht, woraus folgt, dass die Identität eigentlich durch Besitz beschrieben wird und den „individuellen Charakter“ ausdrückt. Die Frage nach dem Selbst ist also oft vielmehr eine Frage nach dem Besitz: „Was werde ich haben?“. Folge des gesamten Individualisierungsprozesses ist eine ständige Neuinszenierung des Einzelnen und seiner Persönlichkeit mit seinem Besitz, zum Zwecke der Abhebung von der Masse, ohne das er jemals zum Ende findet.

Kann man dieses Verhalten aber sogleich pauschal ablehnen oder auch gar Verständnis dafür aufbringen? Das kann man durchaus, denn wenn man sich die globalisierte Welt vor Augen hält, die uneingeschränkten Konkurrenzkampf und damit Massenarbeitslosigkeit und Armut mit sich bringt, kann es verstehbar werden, warum ein Individualisierungsprozess einsetzt, der die Möglichkeit propagiert, sich von der Masse abheben zu können, eben zu dem Zweck anders zu sein und damit den "Marktwert" zu erhöhen. Das damit auch ein zunehmender Provokationismus einhergehen muss ist fast zwingend. Dieses Phänomen ist aber nicht nur ein tatsächlich individuelles sondern überträgt sich auch auf ganzes Systeme, wie z.B. auf die Medien, wo verschieden Anstalten auch von "individuellen" Profilen sprechen, wenn es um Provokation geht um dies schließlich unter dem Kennwort "Marke" publik zu machen, wie z.B. das aktuelle Beispiel MTV zeigt, das treffenderweise über sich selber sagt: "Wir sind MTV. Wir polarisieren gerne, wir provozieren gerne, wir kratzen auch gerne mal an Tabus. Das sind Kernwerte unserer Marke." Ja, das ist modern und lässt sich in individualistisch-orientierten Gesellschaften auf zahlreiche Einzelpersonen sinngemäß übertragen. Da die freie Marktwirtschaft ebenso ein auf Individualismus basierte politisch-ökonomische Ideologie ist, die vom kapitalistischem Konkurrenzkampf beherrscht wird, geht es in jedem Versuch einer besonderen, aufmerksamkeitserregenden Individualität, und nur damit ist es möglich, ums schlichte überleben. Unter diesem Gesichtspunkt kann die Annahme verständlich werden, dass das Kinderbekommen als blockierend empfunden wird, besonders aber auf dem Hintergrund einer ständigen Propaganda gegen das Kind und für die Freiheit des (weiblichen) Individuums, für die Freiheit unabhängig leben zu dürfen, für die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, für die Freiheit alles tun zu können, wann immer man es tun will. Hier zeigt sich ein weiter Punkt, nämlich eine ins unermäßlich gesteigerte Freiheitsideologie, der Versuch eine Freiheit zu erreichen, die gar nicht erreicht werden kann, der sich zu untersuchen lohnt. Diese, also der Versuch zur völligen, zur autonomen, ja zur freien Freiheit und der Wille immer alles tun zu können was man will, dieser pure Egoismus, der gewisserweise ein Wille zur Macht ist (der wiederum die Freiheit Anderer einschränken muss), gehen Hand in Hand. Doch der Mensch ist nicht "zur Freiheit verdammt" (Satre). Man sieht, wir stoßen hier in tiefe Wunden einer modernen, aufklärerisch geprägten Gesellschaft, deren Untersuchung ich jetzt aber nicht ausführen möchte, da sie sich nahezu ins Unabsehbare erstrecken würde.

Zurück also zum eigentlichen Ausgangspunkt: Der Akt der Fortpflanzung, das zeugen von Kindern also ist mit der zunehmenden Modernisierung tabuisiert worden, da er im Konflikt mit dem übersteigerten bzw. fehlgeleiteten Freiheitsanspruch, also mit dem eigenen Egoismus im Konflikt steht. (Ich will aber übrigens keineswegs sagen, dass Frauen, welche die ihnen gegebene Freiheit in Anspruch nehmen, keine Kinder zu bekommen, generell egoistisch handeln oder gar schlechtere Menschen sind.) Dementsprechend wurden Hilfsmittel erfunden, um den Endzweck der Fortpflanzung zu verhindern, da man auf den Akt selber nicht verzichten wollte. Eine Verschiebung der Werte hat stattgefunden; nicht das Kinder zeugen ist angesehen, wie noch früher, wo man auf die Vergrößerung und damit Sicherung des Bestehens der Familie stolz war, sondern der bloße Akt selbst wird erhöht oder vielmehr der Lustgewinn der daraus resultiert. Eine bisher unbekannte Trennung von Fortpflanzung und Sexualität, die im Grunde zutiefst zusammengehören, hat seither ihren Lauf genommen. Das Kind, der Mensch, soll zukünftig, ja gegenwärtig schon etwas geplantes sein, das unter der Kontrolle der Vernunft steht, womit das Kind ein bloßes Produkt wird und die Sexualität etwas Austauschbares, wie schließlich der Mann bzw. die Frau selbst.

Noch einmal kurz zur Freiheit: "Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe." (5,13) heißt es im Brief an die Galater und nimmt wohl eindeutig Bezug auf unserer vorrangegangene Thematik. Die Freiheit scheint also dann eingeschränkt, wenn sie zum Bösen missbraucht wird. Sicher sind wir auch frei darin Böses tun zu können, aber dieses tun trennt uns wieder ein Stück von der Freiheit Gottes, der selbst vollkommen frei ist. Das ist einsichtig, denn Gott ist ganz frei in seinem tun und wer in Christus ist, ist auch in seiner Freiheit. Deshalb werden wir auch gemahnt: "Zur Freiheit hat Christus und befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auferlegen!" (5,1). Der Wille, der Hunger nach Freiheit ist dem Menschen eingesenkt, wie wir oben festgestellt haben. Die Freiheit ist aber nicht von der Wahrheit zu trennen. "Wahrheit und Freiheit verbinden sich miteinander oder sie gehen gemeinsam elend zugrunde." (Fides et Ratio, Nr. 90). Die Freiheit ist nicht einfach die Fähigkeit, gleichgültige oder austauschbare Entscheidungen zu treffen. Sie ist auf Fülle ausgerichtet, ein erfülltes Leben, das die Person mit dem Ausüben ihrer Freiheit, aber in "richtiger Weise" (Recta Ratio) erobern muss. Die Freiheit findet ihren Sinn und folglich ihre Wahrheit, indem sie sich selbst, in Übereinstimmung mit der Natur der menschlichen Person, auf ihr eigenes Ziel ausrichtet. Folglich ist die Freiheit untrennbar an die Wahrheit des nach dem Bilde Gottes geschaffenen Menschen gebunden und besteht vor allem in der Liebe zu Gott und dem Nächsten (vgl. Fides et Ratio).

Diese Liebe zu Gott und dem Nächsten hat die heilige Gianna Beretta Molla ganz gelebt. In dem sie sagte "Rettet das Kind!", gab sich ganz für den Nächsten, für ihr Kind hin. Und als sie sprach "Jesus, ich liebe dich!", brachte sie mit einfachsten Worten, aber vollkommen die Liebe zu ihrem Gott zum Ausdruck. Darin kann die heilige Gianna Beretta Molla uns ein Vorbild sein.

Kurz notiert - 28. April 2006

Gedanktag der heiligen Gianna Beretta Molla

"Es gibt keine grössere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt." (Joh 15,13)
"Voller Angst, daβ das kleine Geschöpf in ihrem Schoβ krank zur Welt kommen könnte, bestürmt sie Gott, daβ dies nicht geschehe. Einige Tage vor der Geburt, ganz im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, ist sie bereit, ihr eigenes Leben zu geben, um das Leben ihres Kindes zu retten: «Wenn ihr entscheiden müβt zwischen mir und dem Kind, keine Aufregung: wählt - und dies verlange ich - das Kind. Rettet das Kind!». Am Morgen des 21. April 1962 bringt sie Gianna Emanuela zur Welt und am Morgen des 28. April, trotz aller Anstrengungen, das Leben beider zu retten, in unbeschreiblichen Schmerzen, immer wieder «Jesus, ich liebe dich; Jesus, ich liebe dich» aussprechend, stirbt sie, 39 Jahre alt."

Am 16. Mai 2004 wurde Gianna Beretta Molla unter Anwesenheit ihrer Tochter Gianna Emanuela von Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen und war somit die letzte Heilige in seinem Pontifikat.

(Quelle: http://www.vatican.va/news_services/liturgy/saints/index_saints_ge.html)

Dienstag, 25. April 2006

Ein Bischof bloggt.

Das vor garnicht langer Zeit vorgestellte neue Internetportal der katholischen Kirche in Österreich www.katholisch.at hat nun auch das bloggen entdeckt und sogleich einen prominenten Vertreter dazu bewegen können in dieser Woche jeden Tag seine Eindrücke niederzuschreiben. Niemand geringers, als der am "Weißen Sonntag", den 23. April im Stephansdom zum Weihbischof geweihte Dr. Franz Scharl freut sich, dass wir ihm "in den nächsten Tagen Augen, Ohren und Herzen leihen", um ihn über das Weblog durch diese "erste Woche in diesem neuen besonderen Amt zu begleiten".

"Ich bin nicht wirklich aufgeregt, aber vom Einzug, von der Musik, von den gekommenen Menschen, tief bewegt. Beim Eröffnungslied musste ich mich fassen, ich war den Tränen nahe, denn es wurde eines meiner Lieblings-Osterlieder gesungen." schreibt der neuen Weihbischof rückblickend auf seine Weihe. "Besonders bewegend waren für mich natürlich die Prostratio bei der Allerheiligenlitanei und auch das Halten des Evangeliars über meinem Kopf. Ich kniee unter dem Wort Gottes, es ist auch mein Schutz. [...] Der zustimmende Applaus in der Kirche nach der Weihehandlung war für mich auch Stärkung und Ansporn.", erinnert er sich weiter.

Bis in die späten Abendstunden feierten die Menschen, vor allem die afrikanische Gemeinde mit traditionellen Ryhtmen noch auf dem Stephansplatz ihren neuen Bischof, der sich lange unter ihnen aufhielt und sich von jedem gratulieren ließ, der dies wollte. Unzählge Hände schüttelte er, unter anderem auch von ausländischen Touristen die sich kurz danach verwundert zu mir beugten und fragen: "Was ist hier los?". Kaum einer, der sich auf dem Stephansplatz aufhielt, bekam diese Frage am Sonntag wohl nicht zu hören, wie auch www.stephanscom.at zu berichten weiß. Menschenmassen erlaubten Franz Scharl nur ein vorrankommen im Schneckentempo. "Für mich war es eine runde Feier.", weiß der neue Weihbischof von Wien.

Sonntag, 23. April 2006

Die Barmherzigkeit - Ostern dauert an!

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich auch euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. (Joh 20, 19–23)

Das Osteroktav geht zu Ende, in der österlichen Zeit, den 50 Tage vom Sonntag der Auferstehung bis Pfingstsonntag stehen wir aber noch vollkommen. Ostern ist nicht vorbei, ist niemals ganz vorbei, ganz im Gegenteil sogar, feiern wir Ostern das ganz Jahr hindurch und besonders an jedem "Tag des Herrn", am "Herrentag", wie er in einigen romanischen Sprachen noch heißt (vgl. domenica, domingo, dimanche etc.) und den wir schlicht am Sonntag nennen. Nein, Ostern endet nicht, sowie auch Weihnachten niemals endet. Besonders sehen wir dies eben in den 50 Tagen ausgedrückt, sie als ein einziger Festtag gefeiert werden, als "der große Tag des Herrn" (Athanasius).

Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! (Joh 20, 24-28)

Ja, heute endet das Osteroktav, aber nicht Ostern, wie auch Gottes Barmherzigkeit niemlas endet, vielmehr überrascht er uns immer wieder mit ihr, wie Franz Scharl, der heute wie die Apostel ausgesand wurde, bei seiner Bischofsweihe im Wiener Stephansdom in seiner Ansprache feststellte. Gott, Christus, der die Barmherzigkeit ist, durchschreitet immer wieder verschlossene Türen, unseres Herzens, unseres Verstandes und nimmt uns barmherzig, wie verlorene Söhne an und grüßt uns mit einem "Friede sei mit Euch!", ohne eine Vorwurf, sondern gießt seine Barmherzigkeit über alles aus, was vorzuwerfen wäre. Er selbst, Franz Scharl, wandte sich früher von Christus ab, konnte nicht mehr an ihn glauben und wurde doch wieder barmherzig aufgenommen und wurde nun schließlich bis zum Bischofamt in die Nachfolge der Apostel berufen. Gottes Barmherzigkeit überrascht immer wieder. Deshalb feierten wir heute auch den "Sonntag der Barmherzigkeit". Gott verzeiht uns und Stürze dürfen uns "nicht betrüben – selbst schwere nicht –, wenn wir reuevoll und mit guten Vorsätzen im Sakrament der Buße bei Gott unsere Zuflucht suchen. Der Christ ist nicht krampfhaft darauf bedacht, von Gott einen tadellosen Leistungsnachweis zu erhalten. So sehr Jesus Christus, unser Herr, ergriffen ist von der Unschuld und Treue des Johannes – als Petrus nach seinem Fall reuevoll umkehrt, wendet Er sich ihm voll Liebe wieder zu. Jesus hat Verständnis für unsere Schwachheit und zieht uns wie über eine sanft ansteigende Ebene zu sich hin. Er erwartet nur, daß wir uns immer wieder bemühen, täglich ein wenig höher zu kommen. Er sucht uns auf, wie Er die beiden Jünger von Emmaus aufsuchte und sie begleitete, und wie Er den Thomas aufsuchte, ihm die offenen Wunden seiner Hände und seiner Seite zeigte und ihn aufforderte, sie mit seinen Fingern zu berühren. Gerade weil Jesus unsere Schwachheit kennt, wartet Er ständig darauf, daß wir zu Ihm zurückkehren." (Josemaria Escrivá, Christus Begegnen, 75) Gerade deshalb setzte er mit göttlicher Barmherzigkeit das Sakrament der Buße bei seiner Erscheinung im Abendmahlssaal ein, damit wir zu ihm umkehren und fortan "ohne Vorwurf und in der befreienden Barmherzigkeit des Friedens Christi" (SE Kardinal Schönborn bei der Bischofsweihe von Franz Scharl) allen Menschen begegnen können.

Ostern dauert an, denn Gott ist barmherzig. Ostern dauert an, weil "Christus lebt. Das ist die Wahrheit, die unseren Glauben mit Inhalt erfüllt. Jesus, der am Kreuz starb, ist auferstanden, er hat über den Tod gesiegt, über die Macht der Finsternis, über den Schmerz und die Angst. Fürchtet euch nicht, diesen Gruß entbot der Engel den Frauen, die zum Grabe gingen. Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. [...] Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, da laßt uns frohlocken und fröhlich sein. Die österliche Zeit ist eine Zeit der Freude, einer Freude, die sich nicht auf diesen Abschnitt des liturgischen Jahres beschränkt, sondern die in jedem Augenblick das Herz des Christen erfüllt. Denn Christus lebt, Christus ist nicht eine Gestalt, die vorübergegangen ist, die einmal lebte und dann verschwand und uns nur eine wunderbare Erinnerung und ein ergreifendes Beispiel hinterließ. Nein, Christus lebt. Jesus ist der Emmanuel: Gott mit uns. Seine Auferstehung bekundet uns, daß Gott die Seinen nicht im Stich läßt. [...]
Christus lebt fort in seiner Kirche, in ihren Sakramenten, in ihrer Liturgie, in ihrer Verkündigung, in all ihrem Tun. Insbesondere bleibt Christus unter uns gegenwärtig in der Eucharistie, wo er sich Tag für Tag hingibt. Darum ist die heilige Messe Mitte und Wurzel des christlichen Lebens. In jeder Messe ist immer der ganze Christus anwesend, Haupt und Leib. " (Josemaria Escrivá, Christus Begegnen) In seiner unendlichen Gnade schenkt er sich uns und nährt unsere Seelen in der Eucharistie, wie er sie in der Buße und Taufe reinigt. Die Taufe, wie sie auch heuer wieder einige umgekehrte Erwachsene in der Osternacht empfangen haben, ertränkt die Verweigerung, ertänkt alles Vorzuwerfende in der göttlichen Barmherzigkeit und Christus ruft dem Täufling ohne Vorwurf zu: "Der Friede sei mit Dir!". Die Paschamysterium, die Eucharistie, in der Christus zu uns kommt ist aber der Gipfel der göttlichen Barmherzigkeit. Die ganze Göttlichkeit zeigt sich in Christus schließlich denen, die zu ihm kommen und glauben, dass in ihm Gott zu uns kommt. Wer nicht glaubt, der sieht nichts. Wer liebt, begreift alles.

Samstag, 22. April 2006

Kurz notiert

Immer wieder ist mir schon aufgefallen, dass ich mir einige aktuelle Themen zurecht gelegt hatte, zu denen ich einen Beitrag schreiben wollte, es aber leider aus zeitlichen Gründen doch nicht zu einer Umsetzung kam. Und Petra freute sich unlängst in einem Kommentar auch, das ich nun wider öfter schreibe (Vielen Dank dafür), was aber mit dem Ende der Osterferien wohl leider auch nicht in dieser Dichte weitergeführt werden kann. Folglich bin ich zu dem Entschluß gekommen, es einmal mit der Form "Kurz notiert" zu probieren, in der ich vielleicht zukünftig wenigstens aktuelle Themen kurz benenne und einige Worte dazu verliere, was aber nicht heißt, das es nicht außerdem einen ausführlichen Beiträge geben könnte. Hier also ein erstes "Kurz notiert":

Bischofsweihe

Hin und wieder sieht man den sympathischen langen Mann durch Wien flitzen, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, der nun am morgigen 23. April 2006, dem Weißen Sonntag oder auch "Sonntag der Barmherzigkeit" um 15.00 Uhr im Wiener Stephansdom von Christoph Kardinal Schönborn u.a. zum neuen Weihbischof von Wien geweiht wird: Franz Scharl. Ganz überraschend wurde der "einfache Pfarrer" und Dechant des Stadtdekanates 4 und 5 im Februar von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof ernannt, auf den man in Wien schon lange wartet. Bischof Scharl wird besonders in der Kategorialen Seelsorge und der Betreuung fremdsprachigen Gemeinden in Wien eingesetzt. Ohnehin hat Franz Scharl schon lange sein Interesse auf diesem Gebiet bekundet, da er nicht nur ein Volkskundestudium absolvierte sondern sich auch bisher besonders für die afrikanische Gemeinde engagierte. Seine besondere Beziehung zu dieser zeigt sich auch in der Weiheliturgie, die musikalisch neben der Wiener Dommusik auch von der englischsprachigen afrikanischen Gemeinde gestaltet wird. Zudem wurde Franz Scharl zum Titularbischof von Gerafi in Nordafrika ernannt.
Sein Wahlspruch wird "Gott ist Geist" (Joh 4,24a) sein. Franz Scharl, der auch hie und da liebevoll "Yoga-Franzl" genannt wird, ist ein moderner Stadtseelsorger zur rechten Zeit, der eigentlich ein Quereinsteiger ist, wollte er doch in den 70er Jahren noch aus der Kirche austreten und Yogalehrer werden, schickte aber glücklicherweise den Brief an die falsche Stelle. "Erst" 1990 wurde er schließlich über einige Umwege zum Priester geweiht. Franz Scharl ist äußerlich ein zurückhaltender, aber persönlich ein sehr liebenswürdiger und engagierter Mensch. Herzlichen Glückwunsch, alles Gute und Gottes Segen ergeht an den neuen Weihbischof von Wien, Franz Scharl!


800 Jahre Deutscher Orden

Der 1190 als Spitalbruderschaft gegründete und um 1199 zum geistlichen Ritterorden gewandelte Orden reiht sich nach den Johannitern und Templern als dritter in die Ritterorden der Kreuzzugszeit ein und war anfangs nur im heiligen Land tätig, weitete sich aber bald auf das übrige Europa aus (vorallem Mitteleuropa). Sein vollständiger Name lautet "Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem", nach dem damaligen deutschen Spital in Jerusalem. Seit 800 Jahren ist er nun auch in Wien tätig und erhielt eigens für sein 800-Jahr-Jubiläum eine Jubiläumsglocke für die Deutschordenskirche in der Singerstraße, gleich neben dem Stephansdom. Die kleine Kirche wird oft übersehen, da ihr Eingang ein wenig versteckt ist, ein Blick hinein lohnt sich aber allemahl - sofort überströmt einen ein Gefühl von Gemütlichkeit. Das gotische Gotteshaus wurde 1395 geweiht und unter den Schutz der heiligen Elisabeth von Thüringen gestellt, die sich, wie der Orden selbst, unermüdlich und selbstlos für die Armen und Kranken einsetzt(e). Um 1809 wurde das Haus schließlich sitzt des sogenannten Hochmeisters (derzeit Abt Dr. Bruno Platter), welcher der Generaloberer aller Brüder und Schwestern (die "Kongregation der Schwestern vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem" gehören seit 1855 offiziell zum Orden, existieren aber schon seit dem Mittelalter) des Deutschordens ist. Der Hochmeister erhält eine Abtsweihe und trägt bischöfliche Kleidung. Neben den Brüdern und Schwestern existiert noch ein dritter Zweig im Deutschorden, die sogenannten "familiares", welche Männer und Frauen weltlichen oder geistlichen Standes umfassen und die den Orden in seinen Werken und Anliegen unterstützen. Heute engagiert sich der Orden vorallem im sozial-karitativen und gesundheitlichen Bereichen, so betreibt er zum Beispiel u.a. Altenheime und Heime für Menschen mit Behinderung. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum fand heute um 12.00 Uhr ein Pontifikalamt im Stephansdom statt.

George W. Bush kommt nach Wien

Im Rahmen des EU-USA-Gipfels wird am 21. Juni der US-Präsident George W. Bush nach Wien kommen. Die enormen Sichheitsvorgaben des US-Sicherheitsdienste sind schon jetzt eine Herausforderung für die österreichischen Behörden und werden wohl weite Teile der Wiener Innenstadt lahmlagen, da Bush vorraussichtlich auf eigenen Wunsch in einem Hotel am Ring untergebracht wird. Bereits jetzt formieren sich breite Protestbewegungen gegen den Bush-Besuch. Es ist nicht auszuschließen, das Bush auch Interesse an einigen Sehenswürdigkeiten, wie z.B. dem Stephansdom haben könnte.

Mittwoch, 19. April 2006

"Tu mir dies nicht an!" - Papst Benedikt 1 Jahr im Petrusamt

"Als langsam der Gang der Abstimmungen mich erkennen ließ, dass sozusagen das Fallbeil auf mich herabfallen würde, war mir ganz schwindelig zumute. Ich hatte geglaubt, mein Lebenswerk getan zu haben und nun auf einen ruhigen Ausklang meiner Tage hoffen zu dürfen. Ich habe mit tiefer Überzeugung zum Herrn gesagt: Tu mir dies nicht an!", erklärte Papst Benedikt XVI. wenige Tage nach seiner Wahl am 25. April 2005 gegenüber deutschen Pilgern. Wahrlich, dieser ältere Herr, der bekanntlich als Präfekt der Glaubenskongregation schon mehrmals seinen Rücktritt eingereicht hatte, sollte nun diese schwere Last noch tragen müssen? Wollte er sich nicht viel lieber endlich zurückziehen können und Bücher schreiben? Aber "es war vermutlich nicht das erste Mal, dass der Herr Ratzinger nicht gehorchte.", stellt Peter Seewald in einem Interview fest. Heute kann man es sich kaum noch vorstellen, das dieser Mann je etwas anderes getan hätte, so unglaublich gelöst und herzlich begegnet er den Menschenmassen, die ihm ohne Zweifel anfangs nicht geheuer waren. Seine demütige Zurückhaltung und scheinbar programmatische Liebe überzeugt auch die schärfsten Kritiker, die "durchaus positive Aspekte" einräumen müssen. Aber ich will keine positiv-negativ-Jahresbillanz ziehen, wie es so viele jetzt tun, denn ich habe auch niemals daran gezweifelt, das dieser der richtige Papst zur richtigen Zeit ist.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor einem Jahr am Abend durch das Haus lief und schrie: "Weißer Rauch! Weißer Rauch!". Quällend lange Minuten ließen uns warten und ich hatte so sehr gehofft das es Kardinal Ratzinger sein würde. Und als es dann tatsächlich jener war... wie unberschreiblich ist dieser Moment, ich hatte es nicht wirklich zu glauben gewagt und glaubte es noch nicht: "Das kann nicht sein! Unglaublich!" waren meine ersten Worte. Unfassbare Freude durchstömte mich, wie ich sie noch nie vorher verspührte und machte mich sprachlos. Wie konnte diese Wahl wirklich möglich sein - ein deutscher Papst? Sofort liefen einige zu einem Mitbruder um ihn wie eine Reliquie zu berühren und ihm zu gratulieren, da er den Kardinal persönlich kannte. Noch heute erscheint es mir immer wieder als unglaublich, und wird es wohl auch noch weiterhin, bis ich ihn einmal mit meinen eignen Augen gesehen habe. In diesem Jahr ist meine Liebe zu unserem Papst Benedikt stättig gewachsen und es gibt kein Worte von ihm, die ich nicht verschlinge. So kraftvoll, klar, fast poetisch erscheinen sie immer wieder und sind von solch klarer Brillianz, das selbst Evangelikale Splittergruppen den Genius dieses Papstes anerkennen müssen und wie viele haben nicht schon ihr Bild gegenüber der katholischen Kirche zum Positiven hin gewandelt, aufgrund allein der Sprache unseres geliebten Papstes, wie ich erfahren durfte.

Und doch hat er es schwer. Erst am vergangen Ostersonntag feierte Benedikt XVI. seinen 79. Geburtstag. Und mehr als zuvor ist er nun ein Packesel Gottes geworden, wie es der Korbiniansbär in seinem Wappen jeher symbolisiert. Die Geschichte vom Bären, den der heilige Korbinian zu seinem Lastträger machte erinnerte Joseph Kardinal Ratzinger in seinen Erinnerungen „Aus meinem Leben" an eine Meditation des Heiligen Augustinus über die Verse 22 und 23 des Psalms 73: "Ich war töricht und verstand nichts, war wie ein Stück Vieh vor Dir. Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.", heißt es darin. Augustinus schrieb über das Vieh der Bauern, vor allem die Zug- und Lasttiere, die diesen auch zur Verrichtung der Arbeit dienten. Als ein solches Zugtier empfand sich der Heilige. "Ja freilich, ein Zugtier bin ich geworden, ein Packesel, aber gerade so bin ich bei dir, Herr; gerade so diene ich dir, gerade so hast du mich in der Hand!" Das Leben eines Gelehrten wollte er ursprünglich führen und sah sich nun plötzlich vor einen Karren gespannt, um Gottes Werk durch jene Zeit zu ziehen, seine Last durch diese Welt zu tragen. Dies erschein ihm recht hart und ein bitteres Los zu sein, in seiner Meditation aber findet der Heilige Trost in dem Gedanken, dass das Zugtier dem Bauern besonders nahe ist, dass ihm dieses Stück Vieh besonders lieb und wert ist, welches ihm zur Arbeit dient. Und so ist dem Herren der Welt ein Augustinus, der sich vor dem Karren müht, lieber als jener, der ruhig und sauber in seiner Gelehrtenkammer verharrt. "Der bepackte Bär, der dem heiligen Korbinian das Pferd oder wohl eher den Maulesel ersetzte, sein Maulesel wurde – gegen seinen Willen, war er so und ist er nicht ein Bild dessen, was ich soll und was ich bin? 'Ein Packesel bin ich für Dich geworden, und gerade so bin ich ganz und immer bei Dir.' [...] Von Korbinian wird erzählt, dass er den Bären in Rom wieder in Freiheit entließ. [...] Inzwischen habe ich mein Gepäck nach Rom getragen und wandere seit langem damit in den Straßen der Ewigen Stadt. Wann ich entlassen werde, weiss ich nicht.", sagt der heutige Papst Benedikt XVI. damals in seinen "Erinnerungen" weiter und lesen wir heute wissend, das er wohl niemals mehr aus Rom zurückkehren wird.

Auch als Papst Benedikt XVI. sieht sich Joseph Ratzinger als Werkzeug Gottes, als sein Packesel, der seinen weiteren Weg im Vertrauen auf den Herrn geht. "Ich bin nicht allein. Ich brauche nicht allein zu tragen, was ich wahrhaftig allein nicht tragen könnte. Die Schar der Heiligen Gottes schützt und stützt und trägt mich." Doch Papst Benedikt XVI. nimmt diese Last auf sich und nimmt damit den Willen Gottes an. Neben den Korbiniansbär auf dem Papstwappen ist auch das Pallium, das ihm zur Amteinführung um die Schultern gelegt wurde ein Bild "[...] für das Joch Christi, das der Bischof dieser Stadt [Rom], der Knecht der Knechte Gottes auf seine Schultern nimmt. Das Joch Gottes – das ist der Wille Gottes, den wir annehmen. Und dieser Wille ist für uns nicht eine fremde Last, die uns drückt und die uns unfrei macht. Zu wissen, was Gott will, zu wissen, was der Weg des Lebens ist – das war die Freude Israels, die es als eine große Auszeichnung erkannte. Das ist auch unsere Freude: Der Wille Gottes entfremdet uns nicht, er reinigt uns – und das kann weh tun – , aber so bringt er uns zu uns selber, und so dienen wir nicht nur ihm, sondern dem Heil der ganzen Welt, der ganzen Geschichte." Aber zugleich ist das Pallium auch ein Zeichen für das verlorene Schaf, dem der Herr in die Wüste nachgeht. "Er steht selber auf, verlässt des Himmels Herrlichkeit, um das Schaf zu finden und geht ihm nach bis zum Kreuz. Er lädt es auf die Schulter, er trägt unser Menschsein, er trägt uns – er ist der wahre Hirt, der für das Schaf sein eigenes Leben gibt. Das Pallium sagt uns zuallererst, dass wir alle von Christus getragen werden. Aber er fordert uns zugleich auf, einander zu tragen.“ (Predigt zur Heilige Messe zur Amtseinführung von Papst Benedikt XVI., Predigt des Heiligen Vaters Benedikt XVI., Petersplatz, Sonntag, 24. April 2005)

Am 29. Juni 1951 wurde er zum Priester geweiht. "Man soll nicht abergläubisch sein. Aber als in dem Augenblick, in dem der greise Erzbischof mir die Hände auflegte, ein Vöglein - vielleicht eine Lerche - vom Hochaltar in den Dom aufstieg und ein kleines Jubellied trällerte, war es mir doch wie ein Zuspruch von oben: Es ist gut so, du bist auf dem rechten Weg. [...] Dein Packesel bin ich geworden", schreibt Ratzinger am Ende seiner Lebenserinnerungen an Gott gewendet. "Und so, gerade so, bin ich bei Dir."